Verwaltungskosten: Transparenz erwünscht
Impressum: Dieser Artikel von Herbert Brändli, Geschäftsführer der B+B Vorsorge AG, ist erschienen in der AWP Nr. 01/2004, 21. Januar 2004
Der Kommentator der Umfrageergebnisse der CS Asset Management (CSAM; vgl. AWP Nr. 21/03) zu den Antworten zum Thema Verwaltungskosten, Herbert Brändli, erweiterte diesen Problemkreis und stellte die geforderte Transparenz in der 2. Säule in einen grösseren Zusammenhang.
«Trotz Artikel 65 BVG, der von Pensionskassen die Offenlegung ihrer Kosten verlangt, sind die Verwaltungskosten nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln», stellte Brändli fest. Hauptsächliche Gründe für die fehlende Transparenz sind indirekte Kosten, insbesondere in Anlageprodukten, versteckte Kosten, beispielsweise in Versicherungstarifen, aber auch die Übernahme von Kosten durch die Arbeitgeber sowie mangelhafte Kostenstellenrechnungen der Pensionskassen. Aus Unkenntnis wird die Bedeutung der Kosten, insbesondere ihr Einfluss auf die langfristige Entwicklung der Pensionskassen, stark unterschätzt. top ↑
Geld verlochen …
Plastisch argumentierte Brändli mit folgendem Bild: «Vorsorgeeinrichtungen kann man sich vereinfacht als einen Sack voller Gelder vorstellen, aus dem nach der Pensionierung Renten bezahlt werden. Der Sack muss bewirtschaftet werden, damit die Gelder Ertrag abwerfen und diejenigen Personen, die ihn gefüllt haben, ihren gerechten Anteil erhalten.» Die Differenz zwischen den Erträgen und den Verwaltungskosten bezeichnet man üblicherweise als «dritten Beitragszahler». Dank ihm können effiziente Pensionskassen die Altersrente mehr als verdoppeln.
Im Nachgang zum kürzlich erfolgten Börsencrash haben die Versorgeeinrichtungen zwar ihre Renditeerwartungen generell nach unten korrigiert. Versicherungsgesellschaften geben sogar vor, dass ihre Erträge langfristig unter 2,5 Prozent liegen werden. Gleichzeitig reklamieren sie gleich lange Spiesse mit autonomen Pensionskassen und beklagen systembedingte Kosten, die 2,3 Prozent über denjenigen der Konkurrenz liegen. Für die Versicherten gehe diese Rechnung nicht mehr auf. Die Zinsgutschriften auf ihrem Vermögen sind nämlich mittlerweile niedriger als die Kosten für dessen Verwaltung. Es fehlt der dritte Beitragszahler. «Unter diesen Voraussetzungen würden die Vorsorgefranken zurErhöhung von persönlichem Nutzen und Sicherheit besser verlocht und bei der Pensionierung wieder ausgegraben», schloss Brändli seine bildhafte Schilderung. top ↑
… oder in Pensionskassen anlegen?
Glücklicherweise treffe diese Feststellung nicht auf alle Vorsorgeeinrichtungen zu, wie die soeben veröffentlichte Umfrage über die Anlagen von institutionellen Investoren gezeigt habe. Demnach betragen die Verwaltungskosten von zwei Dritteln der Pensionskassen weniger als ein halbes Prozent der Vermögen. Etwa zehn Prozent operieren mit Kosten zwischen einem und fünf Prozent. Diesen dürfte es schwer fallen, die notwendigen Erträge zu erwirtschaften. Mit zunehmender Grösse werden die Verwaltungskosten erfahrungsgemäss relativ geringer. Die erwähnte Umfrage zeigt aber, dass vereinzelt auch Kassen mit über einer Milliarde Franken Vermögen mit Kosten zwischen einem und fünf Prozent kämpfen. Darin sind die Kosten der Vermögensverwaltung nicht inbegriffen. Die Aufwendungen für die Verwaltung der Wertschriften und Immobilien werden zumeist direkt mit der Performance verrechnet. Gemäss der CS-Studie wendet die Mehrzahl aller Kassen dafür sogar mehr auf als für Personal und Administration. Entsprechend hoch ist im Bereich der Vermögensverwaltung das Potenzial zur Steigerung der Effizienz. top ↑
Kostensenkungsmassnahmen
Die Massnahmen zur Kostenreduktion sind zahlreich. Verbesserungen bringen die Vergabe von grossen Mandaten, passive Verwaltungen, leistungsabhängige Honorare, die Aufteilung der Verwaltungsaufgaben in «global custody services», Portfoliomanagement, Controlling und Reporting sowie, bei deren Vergabe, die Nutzung des Wettbewerbs unter den Anbietern. Kleinere Vorsorgeeinrichtungen sollten auch vermehrt kollektive Anlagevehikel prüfen, forderte Brändli. Obwohl fleissig genutzt, liegt gesamthaft weniger als die Hälfte der Vorsorgevermögen in kollektiven Anlagen. Deren Verwaltungskosten schwanken, je nach Bereich, zwischen einem Viertel und zwei Prozent. Teuer sind Anlagen in «Fund of funds», die vornehmlich in den Bereichen der alternativen Anlagen, wie privaten Equity und Hedge Funds, verbreitet sind. Die normalerweise ausgewiesenen Kosten dieser Anlagevehikel umfassen nur die eigentliche Verwaltung. Wünschbar wären die Gesamtkosten (TER: total expense ratio). Damit dürfte die Attraktivität dieser Produkte für kleinere Pensionskassen erhöht werden. top ↑
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