Eine höhere Aktienquote ist gut für die Vorsorge
Impressum: von Josef Bossi, Länderverantwortlicher Schweiz und Liechtenstein bei T. Rowe Price. STOCKS, 12. Juni 2009.
Immer mehr Menschen werden immer älter. Damit steigt die Bedeutung der privaten Vorsorge. Eine Studie von T. Rowe Price kommt zum Schluss, dass eine höhere Aktienquote im Portfolio das Vorsorgekapital deutlich erhöht.
In der 1. BVG-Revision beschloss das Schweizer Parlament, den Mindestumwandlungssatz in der beruflichen Vorsorge schrittweise von 7,2 auf 6,8 Prozent zu senken. Für die Versicherten bedeutet das, trotz unveränderter Ansparsumme in der 2. Säule, eine geringere monatliche Rente. Um die entstehende Lücke zu füllen, wird die private Vorsorge immer wichtiger. Unabhängig davon, wo die Gelder angespart werden, zeigt eine neue Studie von T. Rowe Price, die sich zwar auf den amerikanischen Vorsorgemarkt bezieht, aber auch auf die Schweiz übertragen werden kann, interessante Resultate: Auch während der Pensionierung lohnt es sich, eine höhere Aktienquote in der privaten Vorsorge aufrecht zu erhalten.
Ausgangspunkt der Studie war ein sogenanntes Life-Cycle-Portfolio, das mit einer Aktienquote von 90 Prozent für Anleger startet, die 25 Jahre vor dem Renteneintritt stehen. Diese Quote reduziert sich auf 55 Prozent im Alter von 65 Jahren, auf 35 Prozent im Alter von 80 Jahren und auf immerhin noch 20 Prozent im Alter von 90 Jahren. Aufgrund der durchschnittlichen Lebenserwartung ging die Studie von einer Rentendauer von 30 Jahren aus. Die Studie untersuchte die verbleibende Kaufkraft unterschiedlicher Anlagestrategien nach 30 Jahren Rente.
Das Ergebnis: In den meisten Fällen führt eine höhere Aktienquote im Portfolio zu mehr Kaufkraft. Ein Portfolio, das konstant zu 40 Prozent in Aktien und zu 60 Prozent in Anleihen investiert war, hatte beispielsweise nach 30 Jahren Entnahmen von vier Prozent pro Jahr plus Inflationsanpassungen eine Kaufkraft von 131 Prozent der Summe zu Renteneintritt. Ein Portfolio mit 60 Prozent Aktien kam dagegen auf eine durchschnittliche Kaufkraft von 162 Prozent der Anfangssumme.
Die schwierigen Börsenzeiten 2008 und 2009 haben in Depots drastische Verluste verursacht, und viele Anleger sind verunsichert. Doch die Studie zeigt, dass das Risiko langfristig betrachtet trotz der höheren Aktienquote nicht steigt. Verglichen wurden drei Portfolio-Strategien: ein dynamisches Portfolio mit anfänglich 90 Prozent Aktien und zwei konservative Strategien mit je 10 Prozent respektive 20 Prozent weniger Aktien. Insgesamt wurden 54 30-Jahres-Perioden zwischen 1925 und 2008 untersucht.
In der grossen Mehrheit dieser Perioden profitierten die Anleger von einer höheren Aktienquotem, und das dynamische Portfolio schlug die beiden konservativeren in den meisten Fällen. Interessanterweise und entgegen aller Vermutung schnitt das dynamische Portfolio auch in Baisse–Perioden nicht viel schlechter ab als die defensiveren Portfolios. Dieses Ergebnis lässt sich damit erklären, dass der Performanceunterschied zwischen dynamischen, wachstumsorientierten und konservativen Portfolios in Haussephasen grösser ist als in Börsenbaissen. Mit anderen Worten: Tendieren die Märkte nach unten, leiden defensive, eher Anleihen-orientierte Portfolios zwar weniger. In haussierenden Märkten jedoch vermögen sie mit dem Aufwärtspotenzial von Aktien nicht mitzuhalten
Welche Schlüsse lässt diese auf den US-Markt fokussierte Studie für die Schweiz zu? Bisher galt hierzulande für die Asset Allokation eine einfache Formel: 100 minus Lebensalter = Geldanteil, der maximal in Aktien investiert werden sollte. Ein Rentner von 65 Jahren dürfte also nur noch etwa ein Drittel Aktien halten – ein ziemlich grosser Unterschied zu den in der Studie empfohlenen 55 Prozent. Gleichzeitig kalkulieren wir in der Schweiz nach wie vor mit einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent, während die Simulationsstudie in den USA mit Entnahmen von jährlich vier Prozent rechnet. Denn nur mit einem Verrentungssatz von vier Prozent bestünde eine reelle Chance, dass auch ein konservatives Portfolio nach 30 Jahren noch nicht aufgebraucht ist. Wer also weiterhin einen hohen Umwandlungssatz will, tut gut daran, die Aktienquote zu überdenken.
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