PK-Abzocke: «Jedes Jahr versickern sieben Milliarden»

Impressum: 20minuten, 14. September 2009, Seite 14, Wirtschaft: Interview von Dajan Roman mit Herbert Brändli, B+B Vorsorge AG, Thalwil. PDF herunterladen.

Klartext vom Pensionskassenexperten Herbert Brändli: Bei der beruflichen Vorsorge verdienen zu viele Leute mit. Das Interesse der Versicherten werde gezielt hintertrieben.

Für den PK-Profi ist klar: In der beruflichen Vorsorge würden zu viele Leute zu viel Geld kassieren. Berater, Manager und Co. zwackten jedes Jahr 7 Mia. Franken ab – sie seien die wahren Rentenklauer.

Herr Brändli, ist das System krank?

Herbert Brändli: Die Leistungen der beruflichen Vorsorge sind seit Einführung des Obligatoriums 1985 um 30 Prozent gesunken. Dabei hätten sie aufgrund der Wirtschaftsentwicklung mindestens um so viel steigen müssen. Der Deckungsgrad wird überbewertet und lässt zu viele Leute abkassieren.

Was meinen Sie damit?

Der Deckungsgrad ist nur eine banale Momentaufnahme: Bei 100 Prozent wird Sicherheit vorgegaukelt. Mit dieser Pseudo-Sicherheit rechtfertigen die Kassen heute extrem tiefe Renditen. Weil auf Ende Jahr ein gewisser Deckungsgrad erreicht werden muss, macht der Regulator Druck, Aktien des PK-Vermögens oft zum tiefsten Stand zu verkaufen.

Sicherheit ist aber auch wichtig?

Natürlich. Aber das darf nicht das einzige Kriterium sein, weil sonst die berufliche Vorsorge ihre Daseinsberechtigung verliert. Bei der momentanen tiefen Verzinsung könnte jeder Versicherte auch Staatsanleihen kaufen. So wie es jetzt läuft, ist die PK eine Kapitalvernichtung zu Lasten der Versicherten.

Wer kassiert denn ab?

Die unzähligen Berater, Manager und Verwalter, die keine Verantwortung übernehmen, kassieren rund die Hälfte des garantierten Zinssatzes von 2 Prozent – 7 Mia. Franken jährlich! Das geht voll zu Lasten der PK-Leistungen. Das Wichtigste ist aber, dass der Grundgedanke der beruflichen Vorsorge wieder in den Vordergund rückt: die Werterhaltung der Vorsorgegelder entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung. Sicherheit ist durch die lange Anlagedauer bereits gewährleistet. Die vielen unnötigen Mitesser rund um das PK-Wesen sind die wahren Rentenklauer.

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1 Kommentar

Robert M. Stutz
30.09.2009 09:00

Als neutraler Versicherungsmakler, als Versicherte bei Profond und als Vermittler von vielen Kunden für Profond lesen wir immer gerne die Kommentare von HB. Wenn aber mit den Mitessern und Abzockern wir als nicht nur Vermittler sondern Betreuer von Profond-Kunden gemeint sind – hat er ein Eigentor geschossen!! Was wäre denn die Profond ohne Berater?
mfg arc Robert M. Stutz GmbH Mutschellen