Mehr Effizienz statt unsichere Garantien

Impressum: Autor ist Herbert Brändli (Details) – Artikel in stocks.ch (Experten-Kolumne), 28. Mai 2010. Link stocks.

Mit effizienten Anlagen können Pensionskassen die Altersguthaben der Versicherten verdoppeln und bis zu dreimal höhere Renten zahlen als mit Garantien, die auf risikolose Zinsen abstellen. So gibt es ohne Zinsgutschriften im BVG für einen Lohn von 60'000 Franken eine Altersrente von 15'000 Franken. Mit Zinsgutschriften von vier Prozent betrüge die Rente 43'400 Franken.

Pensionskassen können ihre Gelder in werthaltige Güter und Errungenschaften, Unternehmen oder auch einfache und komplexe Finanzinstrumente anlegen. Bildlich gesprochen investieren sie in die Wirtschaftsmotoren oder ihre Schmiermittel. Vielfältige Finanzierungsvehikel ölen heute die Produktionsmaschinerie, überhitzen sie hie und da und streuen immer öfters Sand ins Getriebe und bringen so die Wirtschaft ins Stocken. Die Unternehmen sind via Finanzierung mit vielfältigen externen Risiken verbunden. Auf die erst halbwegs überstandene Finanzkrise wegen falsch belehnten Immobilien folgt bereits die nächste politisch verschuldete Finanzmisere, diesmal wegen Staatsverschuldungen.

Gegenüber den politischen Wirtschaftsführern und ihrer Fähigkeit, die angehäuften Schulden auszugleichen, bestehen grosse Zweifel. Sturm laufende Notenpressen und der lockere Umgang mit Geldern haben äusserst negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft, welche durch die Kreditflut und Geldentwertung zu ineffizientem Wirtschaften verleitet und der Spekulation ausgesetzt wird. Ein sachlich völlig unmotiviertes Auf und Ab der Aktienkurse reflektiert diese Abhängigkeiten. Die allgemeine Unsicherheit an den Börsen, führt uns den zweifelhaften Einfluss der Politik auf die Realwirtschaft mit ihrer Kredit- und Schuldenwirtschaft drastisch vor Augen.

In einem solchen wirtschaftlichen Umfeld gibt es keine Sicherheiten und keine Garantien. Plötzlich sind in den hoch gelobten globalisierten und sogenannt effizienten Märkten auch vermeintlich mündelsichere Staatsanleihen höchst gefährdet. Früher oder später werden sie auf dem Buckel der Steuerzahler «saniert» oder klammheimlich mit rasch gedrucktem «flat money» wegerodiert. Im Gegensatz zu diesen faulen Krediten werden sich hingegen vorübergehend lahmende Unternehmen behaupten und wieder in Gang kommen, solange die Menschheit Bestand hat, arbeitet und sich weiter entwickelt. Beteiligungen am Produktionsapparat bieten auf lange Sicht die im Vorsorgewesen gesuchten nachhaltigen und hohen Erträge. Dass Pensionskassen mit Vorteil in die Wirtschaftsmotoren investieren, zeigt ein weltweiter Renditevergleich der Credit Suisse über die vergangenen 110 Jahre.

In dieser Zeit haben Aktien auf realer Basis global mit 5,3 Prozent dreimal besser rentiert als Obligationen. Der Geldmarkt warf 0,9 Prozent Rendite ab und wurde von den Aktien fast sechsmal übertroffen. In der Schweiz waren die Unterschiede mit 4,3 Prozent für Aktien, 2,5 Prozent für Obligationen und 0,8 Prozent auf dem Geldmarkt zwar weniger ausgeprägt, dafür waren die Relationen in unseren Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Italien umso extremer. Dort haben Obligationen, wie in Japan, real teilweise massiv negativ zu Buche geschlagen. Aktien haben hingegen in allen wichtigen Wirtschaftsländern langfristig immer positiv zwischen 1,9 Prozent (Italien) und 7,3 Prozent (Australien) performt.

Bei dieser Ausgangslage sollte den Pensionskassen mit ihrem mehrheitlich unbeschränkten Anlagehorizont die Anlageallokation leichtfallen: Mit einem verstärkten Aktienengagement können sie ihre Erträge massiv steigern. Ertragserhöhungen sind politisch angezeigt, weil die 1. Säule wegen der voranschreitenden Alterung der Bevölkerung zunehmend an Wirksamkeit verliert. Bereits ein Prozent nachhaltige Mehrrendite mit entsprechend höheren Zinsgutschriften lässt die BVG-Alterguthaben um 20 Prozent und die zugehörigen Altersrenten bis zu einem Drittel anwachsen.

Konkret kann für einen Versicherten mit einem Lohn von 60'000 Franken die Altersrente von 25'160 Franken, die er mit Zinsgutschriften von zwei Prozent erhält, bei fünf Prozent Zinsgutschriften auf 56'910 Franken verbessert werden. Politik und Pensionskassen müssen sich diesen Zahlen stellen und das regulatorische Umfeld der 2. Säule so gestalten, dass mit zielgerechten, ertragreichen, aber dafür schwankenden Anlagen der Aderlass der 1. Säule kompensiert werden kann.

Herbert Brändli ist Betriebswirtschafter und Eidg. dipl. Pensionsversicherungsexperte mit einem breit diversifizierten Auftragsportefeuille. Herbert Brändli ist Gründer und Leiter der B+B Vorsorge AG, welche sich zur Aufgabe gemacht hat, mehr Dynamik und Transparenz in die berufliche Vorsorge zu bringen und ihren Kunden eine fundierte Beratung sowie interessante Alternativen zu bieten. Zurück

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