Stellungnahme zum Rückzug der Profond von UBS

Warum und wie Profond sämtliche Aktien der Bank verkauft hat

Der Gesetzgeber verlangt seit Anfang 2002 von Führungsorganen der Pensionskassen, dass sie die Ausübung von Aktionärsinteressen regeln. Aufgrund von Artr. 49a Absatz 2 der Verordnung BVV2 müssen sie festhalten, wie sie ihre Rolle als Aktionäre in Unternehmen wahrnehmen. In der Folge haben zahlreiche, insbesondere kleinere Pensionskassen, die bisher geübte Praxis der Stimmenthaltung oder der Befolgung von Anträgen der Verwaltungsräte schriftlich in den Anlagereglementen fixiert. Profond statuiert dagegen in ihren Reglementen, dass das Aktionärsstimmrecht aktiv ausgeübt werden muss, wenn kursrelevante Entscheidungen anstehen, die Auswirkungen auf das eigene Vermögen haben könnten.

Profond wurde oft gefragt, warum und wozu sie sich im Fall UBS so stark engagiere. Das ursprünglich bescheidene Engagement führte denn auch zu einer zeitintensiven und zunehmend rasanten Eigendynamik. Das Networking, die Kunden- und Medienanfragen und die notwendige Informationsbeschaffung verlangten nach einer immer intensiveren Beschäftigung mit der Materie. Für die Beantwortung von Fragen mussten immer mehr Kapazitäten bereit gestellt werden. Der zeitliche und persönliche Aufwand hat für den Stiftungsrat und insbesondere für dessen Präsidenten die Schmerzgrenze erreicht. Per Saldo wurden aber fast alle gesteckten Ziele erreicht:

  • Das Management der UBS und der Verwaltungsrat wurden zu mehr Transparenz gezwungen
  • Die Kapitalbasis der UBS wurde stark verbessert
  • Die Rechte der Altaktionäre wurden wieder wahrgenommen
  • Schwachstellen der Bank und des Systems allgemein wurden thematisiert.

Leider hat sich die Leitung der Bank nicht im erwünschten Masse neu formiert. Das Vertrauen von Profond in die Führungsorgane und die Zukunft der Bank konnte nicht mehr hergestellt werden. Aussicht auf Besserung bestand nicht mehr. Konsequenterweise wurden darum sämtliche Aktien verkauft, als sich die Gelegenheit für einen einigermassen kapitalneutralen Rückzug geboten hatte.

Der Ausstieg erfolgte geplant. Durch geschicktes Trading wurde der durchschnittliche Einstandspreis pro Aktie auf CHF 37.90 reduziert. Die Position von 2,3 Mio. Aktien wurde danach über drei Tage zu durchschnittlich CHF 35.60 liquidiert, was einen vergleichweise bescheidenen Verlust von CHF 5,2 Mio. bzw. von 0,2 % des Gesamtportfolios eingetragen hat. Die beim Verkauf gelösten Mittel von rund CHF 82 Mio. wurden im Rahmen der Anlagestrategie reinvestiert, wobei Profond seit geraumer Zeit die gesamte Finanzbranche untergewichtet.

Thalwil, 15. Juli 2008

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