Auswirkungen der Finanzkrise auf Profond

Liebe Versicherte und Rentner, sehr geehrte Interessenten

Die globale Finanzkrise und der anschliessende Einbruch der Realwirtschaft haben im laufenden Jahr die finanzielle Lage der 2. Säule massiv verschlechtert. Auch Profond konnte sich diesem Einfluss nicht entziehen. Die negativen Kursentwicklungen an den Finanzmärkten führten zu erheblichen Buchverlusten, namentlich bei den Aktienanlagen. In der Folge hat sich der Deckungsgrad von Profond von 103,6 % anfangs Jahr bis Ende November 2008 auf 85,5 % verschlechtert und zu einer Unterdeckung geführt.

Der Deckungsgrad gilt heute in weiten Kreisen als zentrale Messgrösse für die Sicherheit einer Pensionskasse. Das ist falsch. Die Unterdeckung, wie sie im Moment bei zahlreichen Pensionskassen vorliegt, ist deshalb aber Quelle einer allgemeinen Verunsicherung. Versicherte, Rentnerinnen und Rentner fragen sich, ob Profond ihren Verpflichtungen noch nachkommen könne und ob ihre Guthaben noch sicher seien. Nachstehend informieren wir Sie über die Sicherheit der Leistungserbringung, wie es zur Unterdeckung kam und mit welchen Massnahmen der Deckungsgrad verbessert und damit das versicherungstechnische Gleichgewicht wieder erreicht werden soll.

Risiko- und Kapitalmanagement

Vorsorgerisiken umfassen strukturelle Abweichungen vom Äquivalenzprinzip, d.h. ein finanzielles Ungleichgewicht zwischen der langfristigen Finanzierung und Erbringung von Leistungen. Diese Risiken sind von der Finanzkrise nicht direkt betroffen. Heute stehen Liquiditätsrisiken mit plötzlichen, hohen und unerwarteten finanziellen Verpflichtungen im Vordergrund. Solche entstehen beispielsweise bei Vertragskündigungen, die eine Teilliquidation zur Folge haben. Das Risiko von Panikreaktionen mit einem unkontrollierten Run auf Profondgelder wird aber stark gemildert durch Kündigungsfristen und weil bei Teilliquidationen eine Unterdeckung auf die neue Pensionskasse übertragen würde. Profond müsste darum nach Abgängen keine Verschlechterung ihrer finanziellen Situation und des Deckungsgrads in Kauf nehmen.

Profond ist äusserst robust gegenüber Schwankungen an den Finanzmärkten. Über die nächste, überschaubare Zeit stehen keine Liquiditätsbedürfnisse an, die sie zwingen würde, ihre Anlagen zu schlechten Kursen zu verkaufen. Monatlich fliessen ihr Beiträge in Höhe von 20 Mio. Franken zu, während die Ausgaben für Leistungen lediglich 2,5 Mio. Franken betragen. Und auch die jährlich vereinnahmten Einlagen und Freizügigkeitsleistungen übertreffen die entsprechenden Auslagen beträchtlich.

Die namhafte Verschlechterung des Deckungsgrads innerhalb von 11 Monaten ist eine direkte Folge von Buchverlusten, vor allem auf Aktienpositionen, wegen der negativen Börsenentwicklung. Mit der erwarteten Erholung der Kapitalmärkte werden diese Buchverluste kleiner, bis sie schliesslich ganz wegfallen und sich wieder in Buchgewinne verwandeln.

Was bewirkt eine Unterdeckung?

Ein Deckungsgrad von 85,5 % würde heissen, dass Profond bei einer Totalliquidation nur gut 90% der eingegangenen Verpflichtungen erfüllen könnte. In diesem theoretischen und unwahrscheinlichen Fall müsste sie allen 25'000 Versicherten ihre Sparguthaben und den rund 2’000 Rentenbezügern den Barwert ihrer Renten sofort in einem Betrag auszahlen. Profond wird aber ihre Tätigkeit nicht einstellen und muss auch nicht liquidiert werden. Sie befindet sich in einer Aufbauphase und kann in viel längeren Zeiträumen denken und ihr Handeln darauf ausrichten.

Solange die eingehenden Beiträge die ausgehenden Leistungen finanzieren, müssen keine Aktiven liquidiert werden, und die extern verursachte Unterdeckung, auch wenn sie erheblich ist, muss die Versicherten und Rentner nicht beunruhigen.

Versicherte müssen sich auch vor einer Zahlungsunfähigkeit ihres Arbeitgebers nicht fürchten. Der staatliche Sicherheitsfonds schützt für diese Fälle alle BVG-Versicherten genau so, wie vor der Zahlungsunfähigkeit der Vorsorgeeinrichtung. Sollte eine Pensionskasse ihre Leistungen nicht mehr erbringen können, übernimmt der Sicherheitsfonds an ihrer Stelle die Verpflichtungen, zumindest im Rahmen von versicherten Löhnen bis zu rund CHF 120'000.00. Dieses staatliche Auffangnetz würde natürlich auch für alle Versicherten der Profond greifen, die für diese staatliche Versicherung jährlich Prämien entrichten

Profond ein Sanierungsfall?

Die Praxis verlangt Sanierungsmassnahmen, wenn der Deckungsgrad am 31. Dezember unter 90 % liegen sollte. Vorerst gilt es kühlen Kopf zu bewahren. Erst nach Abschluss von Erfolgsrechnung und Bilanz herrscht über die vom Gesetz geforderte Berichterstattung und allfällig notwendige Massnahmen einigermassen Klarheit.

Die Sanierungsmöglichkeiten von Pensionskassen sind eng begrenzt und beschränken sich auf Ertragserhöhungen, Leistungskürzungen und die Erhebung von zusätzlichen Beiträgen. Leistungskürzungen können mittels Einschränkungen der internen Verzinsung von Altersguthaben einfach umgesetzt werden. Jetzt hingegen, wegen börsenbedingten Unterdeckungen, der durchhängenden Realwirtschaft mit Sanierungsbeiträgen zusätzliche Mittel entziehen, wäre ein wirtschaftlicher und vorsorgetechnischer Unsinn.

Aus versicherungstechnischer Sicht sind weder Leistungskürzungen noch Zusatzfinanzierungen notwendig. Die eingeschlagene Anlagestrategie lässt langfristig eine durchschnittliche, jährliche Anlagerendite um 7 % erwarten. Wird sie, mit Ausschlägen nach unten und oben, über die Jahre erreicht, kann Profond ihren Deckungsgrad aus eigener Kraft wieder ins Lot bringen.

Mögliche Massnahmen

Die Versicherten verlieren bei Profond trotz der Finanzkrise keinen Rappen auf ihren erworbenen Ansprüchen. Die laufenden Renten werden nicht gekürzt und die angehäuften Altersguthaben der Aktiven werden bis zur Pension weitergeführt und dann nach wie vor mit 7,2 % verrentet. Allerdings wird die Verzinsung der Altersguthaben über die nächsten Jahre voraussichtlich nicht mehr so hoch sein, wie das in den letzten paar Jahren der Fall war.

Es besteht die Möglichkeit, dass Profond laufende Renten nicht der Teuerung anpasst und die Altersguthaben 2009 nicht verzinst. Damit würden die Versicherten wenig und, wenn man die Vergangenheit betrachtet, auch nicht nachhaltig durch die Finanzkrise belastet. Versicherte, die schon länger Profond angeschlossen sind, haben immer noch eine Durchschnittsverzinsung, die über den Werten der meisten anderen Pensionskassen liegt. Eine Nullverzinsung wurde beispielsweise im Jahr 2002 von Profond angeordnet. In den Folgejahren 2003 bis 2007 konnte Profond die Altersguthaben mit 4 %, 4 %, 6 %, 5 % und 4 % verzinsen.

Überbrückung der Unterdeckung

Für den Fall, dass die Behörden die Anordnung von Sanierungsbeiträgen verlangen, erwägt Profond eine bereits 2002 erprobte Überbrückungsfinanzierung zur temporären Anhebung des Deckungsgrads. Die Beiträge würden so kalkuliert, dass mit dem entsprechenden Beitragsbarwert die versicherungstechnische Bilanz wieder ausgeglichen wird. Profond schreibt jedem Arbeitgeber oder Versicherten die einbezahlten Beiträge als Reserven gut und wird sie ihnen wieder zur Verfügung stellen, sobald sich die Börse erholt hat. Die erforderlichen Zusatzbeiträge sind momentan schwer abzuschätzen. Sie dürften sich angesichts der herrschenden Volatilität des Deckungsgrads zwischen 0 und 2 Lohnprozenten bewegen. Wenn sich der Sturm gelegt hat, können die geäufneten Beitragsreserven in Altersguthaben umgewandelt oder zur Finanzierung von ordentlichen Beiträgen verwendet werden.

Umstellung auf eine risikoärmere Anlagestrategie?

Eine Unterdeckung verlangt grundsätzlich nach höheren Erträgen, was nur mit höheren Anlagerisiken im Sinne von Volatilitäten erreicht werden kann. Das wiederum ist keine wirkliche Option, weil Behörden, Berater, selbsternannte und richtige Experten den Pensionskassen bei Unterdeckung die hiezu notwendige Risikofähigkeit einfach und grundlos absprechen.

Der Stiftungsrat von Profond hat eine Anlagestrategie beschlossen, die auch in schwierigem Anlageumfeld eingehalten wird. Niemand weiss, wann Börsen korrigieren, einbrechen oder boomen. Versuche, rechtzeitig auszusteigen und wieder einzusteigen, scheitern, weil diesbezügliche Prognosen fast unmöglich sind. Noch schlechter, weil zusätzlich horrend teuer und risikoreich, sind die Versuche, die Börsenausschläge im Portfolio mit Hedge-Funds oder anderen Derivatprodukten abzusichern. Davon profitieren allein die Macher und Manager. Hingegen hat sich auf Dauer bewährt, an einer festgelegten Strategie festzuhalten. Dies gilt insbesondere für Profond, welche mit einer langfristig ausgelegten Anlagestrategie (keine risikobehafteten schnellen Börsentransaktionen) in gute Unternehmen und damit Produktionsfaktoren der Wirtschaft investiert.

Der vorhandene Kapitalstock dient Profond als Ertragsfundament und als Polster für ferne Leistungsverpflichtungen. Die Anlagestrategie ist das Herz von Profond, bildet ihre Grundlage für langfristig hohe Erträge und rechtfertigt ihre Existenz als Pensionskasse, die nur für die Versicherten da ist. Die Strategie darf ohne triftige Gründe nicht geschwächt werden. Profond hält darum an der eingeschlagenen Anlagestrategie fest und wird sie wegen des aktuell tiefen Deckungsgrads nicht ändern.

Die Anlagestrategie orientiert sich an der Entwicklung der Weltwirtschaft und verspricht ein langfristiges Ertragsziel zwischen 6 % und 8 %. Darum konnte sich Profond schon vor längerer Zeit von risikoreichen Hedge-Funds-Strategien lossagen und auf unproduktive Anlagevehikel verzichten. Im Gegenzug musste Profond wegen der Finanzkrise Buchverluste hinnehmen, die zur Unterdeckung geführt haben. Es bestehen aber gute Aussichten, dass sich diese auf den Aktienanlagen wieder auswachsen und sich der Deckungsgrad wieder erholen wird und dies lange bevor das stetig anwachsende Kapital wegen zunehmenden Rentenleistungen zur Auszahlung gelangen wird.

Datei jetzt als PDF herunterladen.

Bot-Test (leave blank):

Kommentar schreiben







  Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Bitte schreiben Sie die 2 Worte unterhalb mit einem Abstand getrennt in das vorgesehene Feld. Sie helfen uns damit, die Spamflut einzudämmen. Falls Sie die Worte nicht richtig lesen können, Klicken Sie auf die oberste der drei blauen Schaltflächen und Sie erhalten ein neues Wortpaar.

Wir behalten uns vor, einen Kommentar nicht zu veröffentlichen, wenn er ehrverletzend, rassistisch, unsachlich oder themenfremd ist. Beiträge unter Phantasie- oder offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht berücksichtigt. Bitte halten Sie sich an die Sprache des Artikels – keine Mundart. Ihr Beitrag wird von uns nicht redaktionell bearbeitet. Über Entscheide wird nicht korrespondiert.



0 Kommentare