«Einfach schlägt Richtig» oder «Der krankgesch(w)ätzte dritte Beitragszahler»

Impressum: von André Kohler, Mitglied der Geschäftsleitung der B+B Vorsorge AG, 8800 Thalwil, 15. Oktober 2009

Information entfaltet Wirkung, wenn sie vom Adressaten aufgenommen und zu seiner Handlungsgrundlage gemacht wird. Dazu muss er sie verstehen und gleichzeitig einen Nutzen in ihr erkennen.

Informationsverarbeitung mit dem Faustkeil

Die Natur hat für die Programmierung der neuronalen Informationsverarbeitung ca. sechs Millionen Jahre gebraucht. Die reflexiven Gehirnareale, wo die Emotionen sitzen und die Prozesse grundsätzlich unbewusst ablaufen, dominieren dabei. Die reflektiven Areale, in denen das «bewusste Denken» stattfindet, wurden mit gutem Grunde, wenn immer möglich, geschont.

Diese für das Überleben in steinzeitlichen Verhältnissen geniale Konzeption konnte sich der rasanten gesellschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrtausende nicht anpassen und spielt uns daher manchen Streich.

Der Renner: Fastfood fürs Gehirn

Werden Zusammenhänge und Lösungen so vermittelt, dass sie wenig aktives Denken erfordern, aber dafür die emotionalen Schaltstellen anregen, haben sie alle Chancen, das Publikum besser zu überzeugen, als ein mit umfassender Sachkenntnis und Fleiss erarbeiteter Gedanke. Wie beim hastig verschlungenen Cholesterinhammer vom Drive-in spielen die Schadenpotenziale allfälliger Unrichtigkeit in dieser Phase kaum eine Rolle.

Garantiert: Gesundheitsprobleme

Für das praktische Leben nach dem Konsum simplen Denkens hängt dessen Brauchbarkeit aber doch davon ab, ob es zu werthaltigen Ergebnissen führt. Die derzeit populären und leider auch massgebenenden Annahmen über die künftigen Erträge von Pensionskassengeldern lassen diese Qualtität vermissen. Sie lesen sich wie folgt:

  • Das heute erreichte Zinsniveau schweizerischer Bundesobligationen wie auch der aktuelle Stand der Inflation sind als relevante Erwartungen in die Zukunft fortzuschreiben.
  • Die Aktienmärkte konnten in den letzten Jahren per Saldo nicht zulegen, also wird auch die Zukunft etwa so aussehen.

Zweifel gegenüber diesen Konklusionen sind angesichts ihrer analytischen Grundlagen und ihrer Bedeutung bei jedem Entscheid über die Leistungseckwerte der beruflichen Vorsorge angebracht.

  • Je nach Bedarf werden Makro- und Finanzmarktdaten der Jahre 1988–2008, 1998–2008 oder 2000–2008 als Repräsentanten der Zukunft herangezogen.
  • Grafisch oder mittels einfacher Regression ermittelte «Trends» werden linear extrapoliert.
  • Es regiert die tendenziöse Interpretation, nur dem Standpunkt dienliche Konklusionen werden präsentiert.
  • Schweizerischen Bundesobligationen wird wider jede Evidenz «Risikolosigkeit» attestiert.
  • Die Meinungsbildung wird massiv beeinflusst: Autoritär vorgetragene, massenhafte und stereotype Wiederholung unhaltbarer Ansichten verhindern deren kritische Hinterfragung.
  • Der stetige Hinweis auf die Gefährdung der beruflichen Vorsorge schürt die Urangst des Menschen vor mangelhafter Versorgung gezielt und lähmt den Verstand. Es ist daher nicht erstaunlich, dass es niemanden zu interessieren scheint, ob das formelle Überleben der Institution angesichts der drohenden Leistungsverschlechterung überhaupt einen Sinn ergibt.

Mittlerweile ist der unfundierte Ertragspessimismus Kult und man kann sich gedankliche Unschärfe als Ausdruck der Seriosität anrechnen lassen. Dabei läuft man ein geringes Risiko. Erstens befindet man sich in guter Gesellschaft, und zweitens verlor in den wenigsten Kulturen ein Wahrsager den Kopf, weil die Wirklichkeit besser war als seine Prognose.

Die tiefen Spuren, welche die Berücksichtigung der verqueren Erwartungen im Verein mit den Systemschwächen im Anlagesubstrat hinterlassen werden, sind ebenfalls kein Anlass zur Sorge. Gut eingespielte Mechanismen werden diese Stümperei wie erstklassig wahrgenommene Treuhänderpflicht angesichts höherer Gewalt aussehen lassen.

Gesundheit dank Professionalität und Fleiss

Die fundierte Kenntnis und Analyse der relevanten Daten lässt den beruhigenden Schluss zu, dass gut geführte Vorsorgewerke auch angesichts der Finanzkrise und möglicher, epochaler Veränderungen der Geopolitik- und Ökonomie in der Lage sein werden, komfortable Erträge zu erzielen und die Vorgaben von Verfassung und Gesetz ohne Tricksereien zu erfüllen.

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