Pensionskassenreserven machen uns arm

Impressum: Mit freundlicher Genehmigung des Autoren, Silvio Bertolami. BlickWirtschaft, Dienstag, 17. April 2007. © 2007, auch in Blick online.

ZÜRICH – Unter den Pensionskassen-Managern grassiert eine Manie. Auf Teufel komm raus legen sie Reserven an. PK-Experte Herbert Brändli (57) findet diese Geldhorterei äusserst fragwürdig – weil diese Mittel den heutigen Versicherten und Rentnern entzogen werden.

Brändli ist Experte bei verschiedenen Pensionskassen. Vor allem aber ist er Präsident und führender Kopf der Profond, einer sogenannten Sammelstiftung – einer Pensionskasse für kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Die Profond arbeitet sehr erfolgreich. Und gewinnt deshalb immer mehr Unternehmen für sich. Im vergangenen Jahr schlossen sich neu 350 KMU mit 5100 Arbeitnehmern an. An sich eine erfreuliche Entwicklung. Nur gibt es dabei eine unschöne Begleiterscheinung: Jedes Mal, wenn zusätzliche Versicherte aufgenommen werden, teilen sich mehr Köpfe die vorhandenen Reserven.

Dies erklärt, warum Herbert Brändli allergisch auf hohe Reserven ist. Sie sind nicht im Interesse der bereits angeschlossenen Versicherten. Diese müssen zusehen, wie die Reserven wegen der Neueintritte verwässert werden. Und die Zuzüger gleichsam gratis zu Reserven kommen.

PK-Experte Brändli findet hohe Reserven aber nicht nur bei Sammelstiftungen schlecht. Sondern auch bei Einzelkassen, sogenannten autonomen Pensionskassen. Warum, das illustriert ein Beispiel:

Angenommen, ein Arbeitnehmer besitzt dort ein Altersguthaben von 100 000 Franken. Und die für ihn zurückgelegten Reserven machen 20 Prozent aus. Leider kann er diese 20 000 Franken bei einem Austritt nicht mitnehmen. Das kann ihm nur dann gleich sein, wenn er in eine Pensionskasse mit gleich hohen oder höheren Reserven wechselt. Doch das ist meist nicht der Fall.

In folgenden Fällen sind die Reserven, die man nicht mitnehmen kann, ein grosses Ärgernis: Jemand

  • wechselt zu einer Vorsorgeeinrichtung mit tieferen Reserven
  • tritt in ein Unternehmen ein, das seine Pensionskasse bei einem Versicherungskonzern hat
  • macht sich selbständig
  • parkiert sein Altersguthaben bei einer Freizügigkeitsstiftung
  • wandert aus.

Trotzdem äufnen viele Pensionskassen-Manager Reserven wie wild. 20 Prozent, 30 Prozent und mehr. «Dies ist Geld, das den Versicherten vorenthalten wird», kritisiert Herbert Brändli.

Damit ist auch klar, was Brändli mit dem Ertrag, den Profond erwirtschaftet, am liebsten macht: den Versicherten gutschreiben. Er sorgt für eine hohe Verzinsung der Altersguthaben.

Profond hat zurzeit nur acht Prozent Reserven. Ist sie damit nicht eine unsichere Sache? Riskiert sie, wenn mal die Börse richtig abstürzt, nicht eine Pleite? Brändli wiegelt ab: «Wenn die Aktien in den Keller rauschen, kann es immer mal eine Zeit lang eine Unterdeckung geben. Das passierte uns 2001/2002 auch. Doch schon nach zwei Jahren war der Spuk vorbei. Es wird viel zu viel Angst geschürt.»

Profond erzielt im Schnitt eine Rendite von 7 Prozent

Von Sony und Nokia bis zur Gewerkschaft Comedia – Profond zählt 1170 angeschlossene Firmen und Organisationen mit 17 600 Versicherten. Sie hat im vergangenen Jahr mit den angelegten Geldern schon wieder einen hervorragenden Ertrag erwirtschaftet: 10,8% – 3,9% mehr als der Durchschnitt aller Pensionskassen. Nun verzinst sie die Altersguthaben mit 5% und erhöht die laufenden Renten um 1%. Seit ihrer Gründung 1990 erzielte sie im Schnitt eine Rendite von fast 7%, hat laufende Renten der Teuerung angepasst und gewährte durchschnittlich einen Zins von 5%. Davon können die meisten anderen Pensionskassen nur träumen.

Silvio Bertolami Silvio Bertolami, *1951, lic.rer.pol, BLICK-Autor top ↑

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